Ernährungstagebuch: Warum es versandet und was Studien dazu zeigen

Wer herausfinden will, was ihm nicht bekommt, soll ein Tagebuch führen. Das ist ein Rat, den fast alle kennen. Weniger bekannt ist, wie schwer das Durchhalten sein kann. Hier steht, was Studien dazu berichten, und vor allem, in welchem Umfeld sie es gemessen haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine der hier genannten Studien untersuchte Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Bei einer frei verfügbaren Foto-App waren nur 2,58 % der Herunterladenden aktive Nutzerinnen und Nutzer
  • In einer Allgemeinbevölkerung fehlten Einträge am häufigsten bei Snacks
  • Zwei Studien mit Reizdarm-Patientinnen und -Patienten fanden mit einer einzigen Abendabfrage hohe Ausfüllquoten, bei Symptomen

Was die Studien untersucht haben, und was nicht

Fünf Arbeiten unterscheiden sich stark: eine Auswertung von knapp 190 000 Downloads einer kostenlosen Foto-App (Helander et al., 2014), drei Studien zu Foto-Mahlzeitentagebüchern in der Allgemeinbevölkerung über je acht Tage (Ziesemer et al., 2020), eine Auswertung zweier Abnehmprogramme mit 124 Erwachsenen (Turner-McGrievy et al., 2019) und zwei Studien zu Symptomtagebüchern bei Reizdarm (Weerts et al., 2020; Beckers et al., 2021). Die beiden Reizdarm-Studien erfassten Symptome, keine Mahlzeiten. Die Zahlen sind deshalb Hinweise, keine Vorhersage für dich.

Wie schnell Menschen aufhören

Helander und Kolleginnen werteten die Nutzung einer kostenlosen Foto-App mit Rückmeldung durch andere Nutzende aus. Von 189 770 Herunterladenden erfüllten 4 895 (2,58 %) das Kriterium «aktiv» (mindestens zehn Fotos und mindestens eine Woche Nutzung). 69 % hatten nie ein gültiges Foto hochgeladen. Die Autoren sprechen von sehr hoher Abbruchrate.

In den beiden Abnehmprogrammen von Turner-McGrievy et al. trackte nach der zehnten Woche weniger als die Hälfte der Teilnehmenden noch, bei allen untersuchten Methoden. Dort wurden Menschen begleitet, die abnehmen wollten.

Was beim Eintragen fehlt

Ziesemer et al. werteten drei Studien aus, in denen Menschen acht Tage lang ihre Mahlzeiten fotografierten (183 Personen). Ein Vergleichswert, was tatsächlich gegessen wurde, existierte nicht. Gemessen an einer erwarteten Zahl von 32 Essensereignissen in acht Tagen fehlten rechnerisch 12 %, 17 % und 1,4 % in den drei Studien, die Autoren mahnen zur Vorsicht bei dieser Zahl. Unter 35 Teilnehmenden, die sich an ausgelassene Einträge erinnerten, hatten 30 (86 %) mindestens einen Snack ausgelassen und 22 (63 %) mindestens eine Hauptmahlzeit. Der Rückgang beim Eintragen zwischen dem ersten und zweiten Tag kam laut den Autoren vor allem von weniger erfassten Snacks. In der ersten Studie wurden Mittagessen laut den Autoren signifikant seltener erfasst als Abendessen (im Mittel 5,61 gegenüber 6,74 Einträgen in acht Tagen).

Nachträglich eingetragen wurden 4,9 % beziehungsweise 11,2 % der Einträge in den beiden Studien, die das erlaubten. Ob Erinnerungen das Eintragen verbessern, konnte die Auswertung nicht klären.

Eine Abfrage am Abend

Weerts et al. werteten ein Symptomtagebuch von 189 Menschen mit Reizdarm aus, das im Rahmen einer Studie geführt wurde. Es gab eine einzige Erinnerung um 22 Uhr, wenn der Eintrag fehlte. Über 70 Tage wurden im Mittel 87,9 % der Einträge ausgefüllt, in der letzten Woche 79,6 %. Beckers et al. verglichen bei 25 Menschen mit Reizdarm und 15 mit funktioneller Dyspepsie ein Abendtagebuch mit zehn zufällig verteilten Abfragen am Tag. Das Abendtagebuch wurde bei Reizdarm zu 92,7 % ausgefüllt, die vielen Abfragen zu 69,8 %.

Beide Studien erfassten Symptome, keine Mahlzeiten, und fanden im Rahmen von Studien mit Betreuung statt. Im Alltag können die Quoten niedriger sein.

Was sich daraus für dich ableiten lässt

Aus den Studien folgt keine Garantie. Sie legen aber ein paar vorsichtige Dinge nahe:

  • Rechne damit, dass es mit der Zeit weniger wird. In den Studien nahm das Eintragen im Verlauf ab.
  • Eine einzige Abfrage am Abend kann helfen. In einer Symptomstudie wurde ein Abendtagebuch häufiger ausgefüllt als viele Abfragen über den Tag.
  • Denk an Snacks. Sie fehlten in der allgemeinen Bevölkerungsgruppe am häufigsten.
  • Lücken kommen vor. In allen drei Foto-Studien fehlten Einträge.

Was ein Tagebuch zeigt

Messwerte aus Studien sagen etwas über Gruppen, nicht über dich. Mahlzeiten und Beschwerden nebeneinander zu sehen kann dir und deiner Ärztin oder deinem Arzt Anhaltspunkte geben, es beweist aber nichts. GIMETRY hilft dir, so ein Tagebuch zu führen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Menschen führen ein Ernährungstagebuch lange durch? Das hängt stark vom Umfeld ab. Bei Menschen, die eine kostenlose Foto-App aus eigenem Antrieb herunterluden, waren nur 2,58 % aktive Nutzerinnen und Nutzer (Helander et al., 2014). In einer Studie mit Abnehmprogrammen trackte nach Woche 10 weniger als die Hälfte noch (Turner-McGrievy et al., 2019). Beides sagt nichts über Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Was lassen Menschen im Ernährungstagebuch am häufigsten aus? In einer Untersuchung mit drei Foto-Studien (Ziesemer et al., 2020) fehlten Einträge am häufigsten bei Snacks, und in einer der drei Studien wurde das Mittagessen seltener erfasst als das Abendessen. Das Ergebnis stammt aus einer allgemeinen Bevölkerungsgruppe über acht Tage.

Reicht ein Eintrag am Abend? In einer Studie mit Reizdarm-Patientinnen und -Patienten wurde ein Symptomtagebuch mit einer Abendabfrage häufiger ausgefüllt als eines mit vielen zufällig verteilten Abfragen, eine zweite Studie fand mit einer Abenderinnerung ebenfalls hohe Quoten. Es ging dabei um Symptome, nicht um Mahlzeiten.


Quellen

  • Helander, E. et al. (2014). Factors related to sustained use of a free mobile app for dietary self-monitoring with photography and peer feedback: retrospective cohort study. Journal of Medical Internet Research, 16(4), e109. doi:10.2196/jmir.3084
  • Ziesemer, K. et al. (2020). Occurrence of and Reasons for "Missing Events" in Mobile Dietary Assessments: Results From Three Event-Based Ecological Momentary Assessment Studies. JMIR mHealth and uHealth, 8(10), e15430. doi:10.2196/15430
  • Turner-McGrievy, G. M. et al. (2019). Defining Adherence to Mobile Dietary Self-Monitoring and Assessing Tracking Over Time. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 119(9), 1516-1524. doi:10.1016/j.jand.2019.03.012
  • Weerts, Z. Z. R. M. et al. (2020). Smart Data Collection for the Assessment of Treatment Effects in Irritable Bowel Syndrome: Observational Study. JMIR mHealth and uHealth, 8(11), e19696. doi:10.2196/19696
  • Beckers, A. B. et al. (2021). Digital Instruments for Reporting of Gastrointestinal Symptoms: Comparison of End-of-Day Diaries Versus the Experience Sampling Method (Titel gekürzt). JMIR Formative Research, 5(11), e31678. doi:10.2196/31678

Wie das entstanden ist. Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und vom GIMETRY-Redaktionsteam auf Genauigkeit gegen die zitierten Quellen geprüft. Zuletzt geprüft: 2026-10-09. GIMETRY ist kein Medizinprodukt und bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Es macht mögliche Muster sichtbar, die du mit einer qualifizierten Fachperson besprechen kannst; es benennt nicht die Ursache deiner Symptome. Konsultiere immer eine Ärztin oder einen Arzt oder eine zugelassene Ernährungsfachkraft, besonders bevor du deine Ernährung umstellst.